Braucht es heute den Weltspartag überhaupt noch?

• Bigbank, den 30. Oktober 2018

Festgeld Bigbank

"Der ursprüngliche Gedanke des Weltspartags ist jedoch weiter relevant und wird sogar wieder wichtiger."

Braucht es heute den Weltspartag überhaupt noch?

Am 30. Oktober feiern wir den Weltspartag bereits zum 94. Mal. Doch hat er heute, ein knappes Jahrhundert später, überhaupt noch eine Daseinsberechtigung?

Auf den ersten Blick erscheint der Weltspartag ein Produkt seiner Zeit zu sein: Denn nach der großen Inflation in der Weimarer Republik war das Vertrauen der Menschen in Geld beziehungsweise seines Wertes erschüttert. Nachvollziehbar, denn wer mag schon Sparen, nachdem ein rapider Wertverlust der Landeswährung die privaten Rücklagen vernichtet hat? Zum Höhepunkt der Inflation Ende 1923 Stand entsprachen 4,2 Billionen Mark gerade einmal dem Wert eines US-Dollars. Selbst von der inflationsgeprägten Landeswährung Venezuelas benötigt es derzeit nur einen zweistelligen Betrag, um den Wert eines US-Dollars zu erreichen (Stand: 12. Oktober 2018). Vor diesem Hintergrund wurde auf dem Internationalen Sparkassenkongress in Mailand, Italien, bereits 1923 die Idee für den Weltspartag geboren, durch welchen den Menschen und insbesondere Kindern das Sparen wieder schmackhaft gemacht und auf den Sinn des Sparens aufmerksam gemacht werden sollte.

Doch wie so Vieles hat sich seither auch beim Sparen einiges getan. Heute stehen den Deutschen nicht nur immer mehr Spar- und Anlageprodukte zur Verfügung. Sie haben auch eine viel breitere Auswahl an Finanzdienstleistern im In- und Ausland – technologischem Fortschritt und Globalisierung sei Dank. Der ursprüngliche Gedanke des Weltspartags ist jedoch weiter relevant und wird sogar wieder wichtiger, wenn man sich Daten aus den vergangenen Jahren vor Augen führt: Laut OECD sind die Sparquoten privater Haushalte in Deutschland und Österreich in den vergangenen beiden Jahrzenten trotz steigender Reallöhne zurückgegangen. Sparten die Deutschen 1995 noch elf Prozent ihres verfügbaren Einkommens, waren es zuletzt rund zehn Prozent. In Österreich ist die Entwicklung im selben Zeitraum drastischer: statt rund 15 Prozent, sparen sie nur noch acht Prozent ihres Einkommens. Die Faktenlage spricht für sich: Die Sparmotivation geht zurück, nicht erst seit dem herausfordernden Zinsumfeld ab 2015.

"Der Weltspartag kann daher nach wie vor als Anlass genommen werden, unser Sparverhalten kritisch zu hinterfragen und auf Fehler zu überprüfen."

Verlernen wir das Sparen?

Warum sich an der Brisanz des Weltspartags kaum etwas verändert hat, zeigt auch eine Umfrage der Bundesbank: Etwa 57 Prozent der Deutschen, die noch nicht in Rente sind, gehen davon aus, dass sie ihren Lebensstandard im Alter werden senken müssen. Mit dieser Einschätzung könnten sie richtig liegen. Immerhin haben deutschen Privathaushalte 2017 zum ersten Mal seit sechs Jahren eine negative Rendite erzielt. Der Weltspartag kann daher nach wie vor als Anlass genommen werden, unser Sparverhalten kritisch zu hinterfragen und auf Fehler zu überprüfen. Außerdem ist er weiterhin ein wichtiges Instrument für die finanzielle Erziehung, insbesondere von Kindern – der wir einen eigenen -Artikel gewidmet haben.

Das Resümee: Zur Gründung des Weltspartags war die Lage der Sparer nach dem ersten Weltkrieg und der Inflation selbstverständlich prekärer. Aktuelle Daten belegen jedoch eine Negativentwicklung im Sparverhalten. Der Weltspartag wird daher wieder wichtiger, um über den Sinn des Sparens und effektives Sparverhalten aufzuklären. Angesichts der scheinbar sinkenden Sparmoral, ist die Botschaft des Weltspartags nach wie vor wichtig.

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